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Daten zur neuen Baumhoer-Orgel Peter Ewers Organist ı l'organiste Erbauer Historische Vorlage Konzept und Disposition, Mensuration, Recherchen Konstruktion Stimmung Auftragserteilung Gehäuse
Windladen Zweiteilig als C- und Cis-Laden (insgesamt 4 Windladen) nach dem Schleifladensystem. Die Spielventile des Pedalwerkes (Transmissionen) wurden in den Laden des I. Manuals integriert und liegen etwa in der Mitte des Gehäuses. Die Spielventile des II. Manuals liegen unter den Zungenregistern und sind von der Rückseite zu erreichen. Die Kanzellenkonstruktion aus Sperrhölzern ist eingenutet und wasserfest verleimt. Die Kanzellen wurden alle durch zusätzliche Schrägschiede verjüngt, um einen schnelleren Druckaufbau und damit Ansprache der Pfeifen zu ermöglichen. Die Spielventile wurden aus ausgesuchtem feinjährigem Zedernholz gearbeitet. Alle Dichtflächen sind mit Filz und Schafsleder bezogen. Kanzellenumleimer, Windkasten und Spunddeckel wurden in massiv Eiche gefertigt. Alle 4 Windladen erhielten je einen eigenen Windladenbalg (Regulator) im Windkasten. Die Pfeifenstöcke sind aus massiv Eiche zweiteilig und dreiteilig für die Pedaltransmissionen. Die dreiteiligen Stöcke wurden mit Lederdichtungen verschraubt. Alle Pfeifenbohrungen der Metallpfeifen wurden konisch den Pfeifenfüßen entsprechend ausgebrannt. Als Schleifenmaterial wurde 4mm Eichenholz mit stehenden Jahresringen mehrfach verleimt benutzt. Die Stockoberflächen wurden gewachst.
Balganlage Gebläse Spiel- und Registeranlage Die Spielanlage, also die Verbindung zwischen Taste und Tonventil, besteht aus Zedern und Elsbeerhölzern, verbunden durch Resitexlager mit Stahlwellen. Die Traktur ist selbstregulierend konstruiert. Die Wellenbretter wurden aus mehrfach verleimten Platten (Multiplex), Eichenholz furniert und mit massiven Gradleisten verstärkt. Die Mechanikwellen sind auf Grund besserer Torsionseigenschaften aus geschwärztem Metall mit durchschraubten Holzärmchen (System Heuss) verbaut worden. Alle Verbindungsdrähte zu den Spielventilen bestehen aus Messingdraht. Die Registertraktur wird über Manubrien mit Rundholzgestänge, dreifach gelagert, gesteuert. Rahmen der Schwellwerke Der Gehäuserahmen des I. Manuales erhielt auf der Vorderseite, also hinter den Prospektpfeifen des Montre, in Höhe der Diskantpfeifen, sowie in den seitlichen Gehäusefüllungen und im vorderen Bereich des Orgelgehäuses kugelgelagerte Drehklappen zur Lautstärkeregulierung. Die Schwellklappen bestehen aus einer dreifach verleimten Massivholzkonstruktion 58 mm stark. Die Klappen werden abgefalzt verleimt und schlagen in der Aufschlagsfläche auf eine doppelte 6mm starke Filzfläche. Dadurch ist eine Lautstärkedosierung gerade in der Öfmungsphase des Schwellkastens sehr differenziert möglich. Die beiden Reihen der Klappen sind unabhängig voneinander manuell (durch aushängen der Hebelmechanik) z.B. vom Organisten zu trennen, dadurch besteht die Möglichkeit des Spielens mit "halbem" Schwellkasten. Die Lagerrahmen und Dachrahmen bestehen aus 58 mm starkem Nadelholz. Die Füllungen der Dachfläche bestehen ebenfalls aus dreifach verleimten Massivholzplatten. Die Schwellklappen des II. Manuales im hinteren Bereich des Instrumentes befinden sich in den Dachflächen und werden zum Kirchenraum geöffnet. Dadurch ist eine gleichmäßige Klangabstrahlung möglich. Diese Drehklappen sind aus dem Kirchenraum heraus nicht sichtbar und werden über den zweiten Schwelltritt im Spieltisch betätigt. Pfeifenwerk Holz Alle Holzpfeifen wurden aus Schwedenkiefer, Kern getrennt und wieder verleimt, astarm gearbeitet. Die Kerne bestehen aus mehrfach verleimten Eichenholz, die Spunde der gedeckten Holzpfeifen aus mehrfach verleimten Eichenholz mit Griff, befilzt und beledert. Die aufgeschraubte Vorschläge bestehen aus Eiche. Offenen Holzpfeifen mit Rollen bekamen an den Vorschlägen eine 45° Fase. Alle Holzpfeifen erhielten in den Basslagen aufgeschraubte Seitenbärte. Die Stimmschieber und Pfeifenfüße bestehen aus Eichenholz.
Pfeifenwerk Metall Alle Metallpfeifen wurden aus gegossenen und gehobelten Platten unterschiedlicher Zinnlegierungen hergestellt. Dabei wurden die Zinnplatten bereits einige Monate vor dem Zuschneiden und Löten der Pfeifen gegossen um auf diese Weise eine Materialspannung zu harmonisieren. Die Längen der offenen Pfeifen wurden auch mit entsprechenden Expressionen geplant und nach historischen Vorbildern bei Cavaillé-Coll garbeitet. Die Prospektpfeifen mit eingelöteten Rundlabien wurden nach historischem Vorbild hochglanzpoliert. Der Zinnanteil der Metellpfeifen beträgt mindestens 75% (Principale, Prospektpfeifen, Streicher) und zwischen 40-50% (Gedeckte, Flöten). Es folgt eine Aufstellung der Register:
I. Manual ( Grand-Orgue expressif) C - g'" 56 Noten Bourdon 16* (Soubasse 16') Montre 8* (Montre 8') Flûte harmonique 8*
Prestant 4' (Prestant 4')
Doublette 2*
Plein-Jeu 4 rangs II. Manual ( Récit-expressif) C - g'" 56 Noten Viole de gambe 8' Voix céleste 8' Flûte octaviante 4' Trompette harmonique 8' Basson&Hautbois 8'
Einige Ergebnisse der vorbereitenden Recherche zum Orgelnaubau nach Vorlagen bei Aristide Cavaillé-Coll Bei der Konzeption wurde auf kleine Instrumente aus dem Hause Aristide Cavaillé-Coll Bezug genommen. Als Vergleichsinstrumente dienten im einzelnen: Eglise Saint-Jaques, Dieppe Ecole Fenelon, Paris und zahlreiche weitere Instrumente mit gleicher Disposition, wie Palais Du Champ de Mars, Paris (1878) Die Disposition der Stieghorster Orgel orientiert sich klar an diesen Vorbildern. Bei der Mixtur war zunächst an ein auf 2 2/3' - Basis stehendes Plein-Jeu gedacht, das seinen Platz im 2. Manual hätte finden können. Das Platzangebot auf 5 qm Grundfläche ist jedoch begrenzt. Allein durch die raumsparende Anordnung der Position der Pfeifen (Aufstellung im Diskant in Dreiergruppen) war eine so kompakte Windlade möglich. Aus Gründen der Raumnutzung und auch der Balance der Teilwerke zueinander, ist jetzt die Mixtur im 1. Manual (Grand-Orgue-Expressif) gebaut worden. Verlockend war dazu die Möglichkeit, die 2'-Pfeifenreihe der Mixtur einzeln als Doublette spielen zu können. Dieser Idee wurde die Vorstellung einer tiefliegenden Mixtur geopfert. Mixturen bei Cavaillé-Coll sind immer als Teil des Principalchores gedacht. So auch in Stieghorst mit einer Staffel von (Bourdon 16'), Montre 8', Prestant 4' und Doublette 2' bzw. Plein-Jeu 4 rangs. Der Glanz im Tutti einer Cavaillé-Coll rührt von den Zungen her, die in der Höhe weniger kräftig sind. Als Vorgabe für die Intonation war besonders dieser entgegengesetzte Lautstärkeverlauf der Pfeifengruppen gewünscht. Die Labialen wachsen in der Klangstärke vom Baß zum Diskant hin. Die Zungenregister entfalten ihre größte Klangfülle in der Tiefe und nehmen zum Diskant hin stetig in der Lautstärke ab. In den höchsten Lagen verleihen sie dem Orgelklang den entsprechenden Glanz. Auf diese Weise wurde schon im Vorfeld der Forderung Rechnung getragen auch vorwiegend polyphone Orgelmusik - z.B. die Orgelwerke Bachs - adäquat spielen zu können, ohne dabei auf das symphonisch gesättigte Grundstimmenensemble (Jeu de fonds) und einen frischen Zungenklang à la française (Jeux de Combinaison) verzichten zu müssen.
Für die Gestaltung des Prospekts konnte auf ein Farbfoto der Eglise in Les Andely (Eure) zurückgegriffen werden.
Die von Aristide Cavaillé-Coll gebaute Orgel im Chorgestühl der Kirche orientiert sich an einen Typ Orgel, der sich später auch in seinem Hausprospekt „Les orgues de tous modéles“ von 1889 als Strichzeichnung mit der Nr. 8 findet (Abbildung nebenstehend). Für Stieghorst konnte dieser Prospekt durch eine Computersimulation auf die vorhandenen Verhältnisse und den notwendigen Raumbedarf umgerechnet werden. Die historische Vorlage verfügt über 6 Register. Die für Stieghorst geplanten 11 Register konnten in einem solchen Gehäuse nicht untergebracht werden. Auch konnte das neue Instrument nicht auf der Orgelempore Platz finden, weil dort die Aufstellungshöhe bei weitem nicht ausreicht. Was nun? Allen Verantwortlichen war klar, daß die Orgel an bekannter Stelle im Chorraum der Kirche aufgestellt werden soll. Ein günstiger Standort! Schließlich hat die Kirche hier eine Höhe von 6,85 m, die nun mit einem an das historische Vorbild angelehnten Gehäuse voll ausgenutzt werden konnte. Orgelsachverständigung und Denkmalamt wurden beratend hinzugezogen und gaben ohne Bedenken grünes Licht für die so gestaltete neue Baumhoer-Orgel. Ganz nach historischem Vorbild enthält der untere Teil der Orgel jetzt die Spiel- und Registertraktur und die Windversorgung. Der obere langgestreckte Teil der Orgel nimmt die Pfeifen auf mitsamt allen Einrichtungen zur Differenzierung der Klangabstrahlung und damit der Dynamik.
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